GO ARABIA:
"Je schlechter die Wirtschaftslage in Deutschland, umso interessanter die arabischen und nordafrikanischen Märkte"

(Nürnberg - Februar 2003) - Sind arabische Länder für exportorientierte Unternehmen aus Mittelfranken interessante Wirtschaftspartner? Lohnen sich Investitionen in eine Region, die als der Nahe Osten bezeichnet, jedoch zumeist nur aus der Ferne beurteilt werden kann? Mit JA beantwortete diese Fragen kürzlich ein "Go Arabia" genanntes Informationstreffen der IHK in Nürnberg für Unternehmer in Mittelfranken. Begehrte Gesprächspartner waren die Vertreter der Auslandshandelskammern (AHK), die in Ägypten, Iran, Israel, Libanon, Marokko, Palästinensische Autonomiegebiete, Saudi-Arabien, Tunesien und Vereinigte Arabische Emirate (VAE) die Interessen deutscher Firmen vertreten.

"Go Arabia" - der Name ist Programm für eine bundesweite Gemeinschaftsaktion der Industrie- und Handelskammern sieben deutscher Regionen mit den Auslandshandelskammern. Dahinter steht die von der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai) vertretene Einschätzung, dass der Nahe Osten und Nordafrika (MENA-Region) neben Osteuropa, Asien und Afrika sich in diesem Jahr zu einem dynamisch expandierenden Export-Markt entwickelt.

Die Chancen, die mit dieser erwarteten Exportoffensive verknüpft werden, wurden auf der Info-Veranstaltung "Go Arabia" greifbar. Die Vertreter der Auslandshandelskammern erläuterten den mittelfränkischen Unternehmern wie sie arabische Geschäfts- und Vertriebspartner finden, mit diesen ins Gespräch kommen und von Land zu Land unterschiedliche Rahmenbedingungen für Handel und Investitionen nutzen können.

Die Staaten der MENA-Region besitzen nicht nur das, was im geostrategischen Sinne vordergründig von Interesse ist: Natürliche Ressourcen, deren Vorkommen gewaltig erscheinen, jedoch zugleich begrenzt sind. Diese Länder verfügen, wie beispielsweise Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate, auch über einen erheblichen Reichtum an "Petrodollars" (Einnahmen aus dem Öl- und Erdgasgeschäft), die sie nicht nur für Luxusgüter, sondern mit Blick auf das Nach-Öl- und Erdgaszeitalter für tief greifende Umstrukturierungsmaßnahmen ihrer Volkswirtschaften ausgeben. Ausländische Unternehmen, die sich mit geeigneten Technologien in diesen Modernisierungsprozess einbringen und sich dabei auch noch gegen internationale Konkurrenz behaupten, werden auf diesen umkämpften Märkten die Gewinner von morgen sein.

Michael Tockuss, Geschäftsführer der Deutsch-Iranischen Industrie- und Handelskammer in Teheran, verwies u.a. auf die Kooperationsmöglichkeiten in den Bereichen Energie, Maschinenbau, Automobilbau, Nahrungsmittel und Umweltschutz. Bislang in arabischen Ländern existierende Handelshemmnisse würden - von Land zu Land unterschiedlich - abgebaut, wozu auch ein verbessertes Investitionsrecht gehöre. Der iranische Staat garantiere immerhin für 10 Jahre den Gewinntransfer. "Die arabischen und nordafrikanischen Märkte werden interessanter, je schwieriger die Wirtschaftslage in Deutschland wird", meinte Tockuss.

Gleichzeitig waren die Vertreter der AHK's und der IHK-Fördergesellschaft Außenwirtschaft Bayern bemüht, ein realistisches Bild von den Chancen auf arabischen Märkten zu zeichnen und überzogene Erwartungen zu dämpfen. Wer auf dem heimischen Markt nicht konkurrenzfähig sei, dürfe nicht auf Wunder im Orient hoffen, so die einhellige Meinung aller anwesenden Wirtschaftsexperten: "Was wir nicht können, ist, Ihre Produkte oder Dienstleistungen vor Ort zu verkaufen", brachte es einer der Kenner der arabischen Mentalität und Märkte auf den Punkt: "Was wir können, ist, Ihnen zu helfen, den passenden arabischen oder nordafrikanischen Kooperationspartner zu finden."